Mit 29 Jahren erfüllte sich Gabriel Jesus endlich ein zehn Jahre altes Versprechen. Romanos „Here We Go!“ besiegelte den 10-Millionen-Euro-Transfer mit festen und leistungsbezogenen Boni – Arsenal gab ihn frei, der Brasilianer reiste am Montag zum Medizincheck nach Barcelona und unterschrieb am Dienstag einen Vertrag mit einer Laufzeit von zwei Jahren und einem Jahr. Während seiner Zeit in London rutschte er allmählich von der Startelf auf die Bank; die Ärmel seines rot-weißen Arsenal Fußballtrikots waren weiß. Als Deco ihn anrief, nickte er nach fünf Minuten, wie jemand, der viel zu lange gewartet hatte und endlich nicht mehr warten musste. Nordlondon verlor einen Ergänzungsstürmer, und im Camp Nou ging ein weiterer Traum in Erfüllung.

Warum gerade er für Barcelona? Lewandowski und Ferran Torres verließen den Verein beide im Sommer und hinterließen eine große Lücke auf der Mittelstürmerposition, sodass Rafinha in den ersten beiden Runden als falsche Neun aushelfen musste. Atlético Madrids Bemühungen um Álvarez wurden kategorisch abgelehnt, und noch vor Ende der Transferperiode wandte sich Deco Jesus zu. Flicks System braucht keine Torpfosten im Strafraum, sondern vielseitige Spieler, die hoch pressen, auf die Flügel ausweichen und sich zurückfallen lassen können, um das Spiel zu verbinden – genau die Fähigkeiten, die Jesus im knallharten Umfeld der Premier League nicht verloren hat. Noch genialer ist die brasilianische Verbindung: Er und Rafinha verstanden sich bereits in der Nationalmannschaft hervorragend, was die Übersetzungsarbeit in der portugiesischsprachigen Kabine deutlich erleichterte. In dem Moment, als er das rot-weiße Arsenal-Trikot gegen das blau-rote FC Barcelona Trikotset tauschte, füllte er nicht nur einen Kaderplatz aus; er schloss die Lücke in Flicks Experiment ohne Stürmer: einen Spieler, der laufen, zweikampfstark sein und von der Bank aus für Torgefahr sorgen konnte.

Natürlich ruht das Risiko auf seinen Knien. Im Januar 2025 riss er sich das vordere Kreuzband im linken Knie und fiel 319 Tage aus. Seine Rückkehr brachte seinen Spielrhythmus durcheinander; zuvor hatten ein Meniskusriss im rechten Knie und mehrere Oberschenkelmuskelverletzungen ihm bereits den Ruf eines verletzungsanfälligen Spielers eingebracht. Barcelonas Ärzteteam beurteilte ihn zwar positiv, doch mit 29 Jahren und nach mehreren Knieoperationen an beiden Beinen würde seine Explosivität nicht mehr an die seiner Jugendzeit bei Palmeiras anknüpfen können. Ob sich dieser Last-Minute-Transfer gelohnt hat, hängt von seinem Lächeln auf der Pressekonferenz ab und davon, ob er drei Monate später in einem wichtigen Champions-League-Spiel seine Läufe in Tore ummünzen kann. Die Lichter des Camp Nou leuchten, und Jesus' Geschichte beginnt mit dem blau-roten Kapitel – wird dieses Kapitel gut geschrieben, kehrt ein Held im Spätherbst seiner Karriere zu altem Glanz zurück; wird es schlecht geschrieben, ist es nur eine Situation unter hohem Druck, die mit einer Millionensumme erkauft wurde.